Seite drucken
Gemeinde Waldbrunn (Druckversion)

Meldungen

Kurzweiliger Ortsteilrundgang

Osterspaziergang durch Waldkatzenbach
Rundgang durch das Waldhufendorf mit dem Geowissenschaftler Dr. Bernd Strey

Bild (J. Hofherr): Geowissenschaftler Dr. Bernd Strey erläutert den Buntsandstein, der für den Bau der evangelischen Kirche in Waldkatzenbach verwendet wurde


(hof) Zu einem Ortsrundgang durch das Waldhufendorf Walkatzenbach durfte der Geowissenschaftler Dr. Bernd Strey an Ostersonntag gut 30 Interessierte begrüßen.

Als Treffpunkt hatte Dr. Bernd Strey den Bürgersaal Waldkatzenbach ausgesucht, der um 1950 errichtet wurde. Anhand dieser ehemaligen Schule ging er auf das Schulwesen in früheren Tagen ein, das lt. Strey um 1800 auf dem Winterhauch begonnen haben dürfte. Zu Beginn noch durchgeführt von Pfarrern und Nebenerwerbslehrern, an zwei, drei Tage die Woche, in privaten Räumen. Die Lehrer bestritten ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft, Schulgeld und in Form von Naturalien. Gelehrt wurde lediglich in den Wintermonaten, da die Arbeitskraft der jungen Menschen von Frühjahr bis Winteranfang in der elterlichen Landwirtschaft benötigt wurde. Neben Grundzügen in Lesen, Rechnen und Schreiben standen alltägliche Dinge wie Obstbaumschnitt, Gartenpflege und vieles mehr auf dem „Lehrplan“.

Mit einem Blick zum Katzenbuckelgipfel ging Strey danach auf den Vulkanismus und die beiden Katzenbuckel-asubrüche ein. 500 Meter hohe Gesteinsschichten häuften sich dadurc über dem heute sichtbaren Boden auf. Dieses Muschelkalkmaterial wurde in der Folge im Lauf von 70 Mio. Jahren abgetragen, da er aus härterem Material besteht. Durch Blitzeinschlag wurde das Gestein, umgangssprachlich Balsalt genannt, magnetisiert, weshalb direkt am Gipfel jede Kompassnadel verrückt spielt.

Den zweiten Blick ließ Dr. Bernd Strey über das Dorf gleiten und stellte dabei die Siedlungsgeschichte dar, 1370 wurde der Ort im Besitz der Herren von Zwingenberg erstmals urkundlich Die erste urkundliche Erwähnung. Gegründet wurde Waldkatzenbach als sogenanntes Waldhufendorf die nach der Rodung von Wald Bauern angesiedelt wurden. Die heutige Rathausstraße und die Katzenbuckelstraße sind laut Dr. Strey die Grenzen gewesen.
Als nächste Station stand die evangelische Dorfkirche auf dem Programm. 1747 erbaut, hatte sie im Zusammenhang mit der Reformation eine exklusive Funktion inne. Sie wurde eine der wenigen lutherischen Kirchen der Region und war Gotteshaus für Eberbach, Gaimühle und Sensbach. Der heutige Bau datiert aus dem Jahr 1903.

Anhand des an der Kirche verbauten Buntsandsteins ging Dr. Bernd Strey auf die zwei Varianten der Gesteinsart ein, die in der Gegend vorkomme. Der für die Kirche verwendete Stein, der aus Quarz, Feldspat und Glimmer besteht, stamme vermutlich aus einem Steinbruch bei Strümpfelbrunn beim heutigen Landschulheim.

Entlang der nach dem Erfinder Karl-Friedrich Freiherr von Drais-Sauerbronn (später Karl Drais) benannten Hauptstraße ging es zu dessen ehemaligem Wohnhaus. Dort lebte der Erfinder von 1835 bis 1848. Doch statt den Wald zu kartieren, wie es als Forstmeister seine Aufgabe war, reparierte er den Odenwälder Bauern allerlei Gerät, weshalb er sehr beliebt gewesen sein soll. Von den Einheimischen als „verrückter Forstmeister“ bezeichnet, erfand Drais um 1817 bereits die Draisine. Auch Schreibmaschine, Strohschneider, Fleischhackmaschine und vieles mehr gehen auf den Freiherrn zurück. Im Rathaus der Gemeinde Waldbrunn ist heute ein Nachbau des Draischen Laufrads zu bewundern.
Weitere führte der Osterspaziergang zum Brunnenbuckel über dem die Dorflinde thront. Diese soll nach dem 30-Jährigen Krieg im Jahr 1648 von sieben überlebenden Waldkatzenbacher Familien gepflanzt worden sein. Im Lauf der Jahrhunderte wuchsen die Stämme zu einem imposanten Baum zusammen. In unmittelbarer Nachbarschaft steht, leider dem Verfall preisgegeben, das älteste Haus des Waldbrunner Ortsteils, das „Maddese Haus“.
Am Brunnen der an der Kreuzung nach Strümpfelbrunn errichtet wurde, mit Blick auf die ehemaligen Gasthöfe „Adler“ und „Löwen“ ging Strey auf die lange Tradition des Tourismus auf dem Winterhauch als Luftkurort mit Reizklima, ein.

Weiter ging es ins Bräunlesrot, wo sich den Teilnehmern ein Blick in die Eisigklinge bot.
Dort habe man im Zuge von Bauarbeiten Anfang der 60-er Jahre einen sensationellen Fund gemacht und den Abdruck eines 150 cm langen Urlurchs „Odenwaldia Heidelbergensis“ entdeckt. Auch ein weiterer Vulkanschlot, der nicht mit dem Katzenbuckel-Schlot verbunden sei, wurde hier entdeckt, ließ der Geowissenschaftler die staunenden Zuhörer wissen. Bedeutsamer für die heutigen Waldkatzenbacher ist die Funktion des Kerbtals Eisigklinge als Kaltluftabflusstal. Diese Funktion sorge dafür, dass man hier nur selten von Frühnebel betroffen sei und daher häufig schon am frühen Morgen die Sonne scheine, während ins Neckartal bis in die späteren Morgenstunden kein Sonnenstrahl vordringe. Mit dem Hinweis auf den „Weg der Kristalle“, der Drais-Radrundweg durch alle Waldbrunner Ortsteile und auf seinen nächsten Spaziergang verabschiedete Dr. Bernd Strey die Spaziergänger nach zwei kurzweiligen Stunden.
Für seinen nächsten Spaziergang im Rahmen der Stutenmilchwoche rund um das Kurgestüt der Familie Zollmann verspricht der Geowissenschaftler, dass man das Schweizer Dorf Mülben nicht nur sehen, sondern bei entsprechendem Wetter auch hören könne.

Die Gemeinde informiert

http://www.waldbrunn-odenwald.de/index.php?id=307&no_cache=1