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Gemeinde Waldbrunn (Druckversion)

Meldungen

Rathaus-Umzug

Rathaus-Umzug steht bevor

Informationen zu Hintergründen, dem zeitlichen Ablauf und Umfang der Baumaßnahme 

Der vorrübergehende Umzug der Verwaltung vom Rathaus in Strümpfelbrunn nach Schollbrunn in das ehemalige Gasthaus „Linde“ steht bald bevor. In der Woche vom 22. bis Freitag 26. Juli 2019 wird die Verwaltung umziehen; in diesem Zeitraum sind die Verwaltungsmitarbeiter nur in Notfällen erreichbar. Das Rathaus bleibt in dieser Zeit geschlossen.

Da dieser Umzug und schließlich auch der ca. 15-monatige Verbleib der Verwaltung in Schollbrunn für alle Bürgerinnen und Bürger eine Besonderheit und Umstellung darstellt, soll nochmals ausführlich über die Maßnahme informiert werden.

Das Rathaus wurde im Jahr 1987/88 in Strümpfelbrunn erbaut und mit mehreren Nutzungseinheiten (Rathaus, Sparkasse, Polizeiposten, Wohnung) in Betrieb genommen. Damals als architektonisch herausragendes Verwaltungsgebäude gefeiert, das mit seiner Glaskonstruktion im Mittelteil Modernität, Offenheit und Transparenz ausstrahlte und durch die Gesamtkonstruktion einen bestimmten Charme verkörpere, wurde es zu einem prägenden und markanten Gebäude im Ortsbild.

Das Gebäude wurde seither im Wesentlichen unverändert betrieben und soll nun alters- und zustandsbedingt entsprechend den gesetzlichen Anforderungen aus dem Fachgutachten „Vorbeugender Brandschutz“ sowie nach dem „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ instandgesetzt sowie für eine zeitgemäße Verwaltung umgebaut und modernisiert werden. In diesen 30 Jahren hat der Zahn der Zeit ganz deutlich an der Substanz genagt. Aber auch die eigentlich gewollte Offenheit im Treppenhaus ist nun nach 30 Jahren zu einer Herausforderung in Sachen neuester Brandschutzbestimmungen geworden. Ferner sind die Anschlüsse zwischen Glaskonstruktion und Mauerwerk undicht und bei Regen dringt regelmäßig Wasser ein. Weiter kommt es immer wieder zu Wasserschäden durch die im Boden verlegten Heizungsrohre/Heizkörperanbindungen, da das Leitungssystem im Bereich der Unterverteiler spröde und porös ist. Die geplanten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen sind notwendig, um (weiteren) Schaden vom Gebäude fernzuhalten und nicht in Gefahr zugeraten in wenigen Jahren auf Grund der voranschreitenden Verschlechterung der Substanz weitaus mehr Geld für die Sanierung in die Hand nehmen zu müssen.

Im Zuge der Sanierung und Modernisierung sollen kleine, sinnvolle, praktikable aber auch notwendige Umbau- bzw. Erweiterungsmaßnahmen durchgeführt werden. So soll das Bürgerbüro in den Vorraum/Eingangsbereich verlegt werden (ursprüngliche Mineralienausstellung) und ein Durchbruch zum ehemaligen Polizeiposten erfolgen. Der Polizeiposten fiel vor einigen Jahren weg. Im Rahmen der Modernisierung werden die ehemaligen Polizei-Räumlichkeiten umgestaltet und für Verwaltungszwecke nutzbar gemacht. Die räumliche Erweiterung wird neben Brandschutzgründen auch erforderlich, weil zum einen durch die notwendigen baulichen Brandschutzmaßnahmen Fläche verloren geht, zum anderen weil zusätzliche Räume für Mitarbeiter  bzw. Auszubildende nötig werden. Die geplante Verlegung des Bürgerbüros in die bisher zu Ausstellungszwecken genutzten, eingangsnahen Räumlichkeiten soll der Verbesserung des Bürgerservice dienen. Die Lage direkt am Eingang bietet eine bessere Auffindbarkeit und ermöglicht eventuell flexiblere Öffnungszeiten durch einen separaten Zugang zum Bürgerbüro.

Die veranschlagten Kosten für die komplette Maßnahme belaufen sich auf 1,8 Mio. Euro. Im Wesentlichen sind folgende Sanierungs-, Modernisierungs- und Umbauarbeiten vorgesehen:
Im Bereich des Brandschutzes:
-        Einbau von Brand- und Rauchschutztüren
-        weiter der Einbau einer flächendeckenden internen Brandmeldeanlage als Kompensationsmaßnahme
-        Erstellung eines 2. Rettungsweges im EG
-        Anbindung der vorhandenen Verwaltungsbüros an das Nebentreppenhaus als 2. Fluchtweg (Durchbruch ehemaliger Polizeiposten)
-        Abtrennung des vorhandenen Aufzuges vom Flur im OG (Brandschutzvorhang)
-        Einbau einer RWA-Anlage im Dachgeschoss
Im Bereich der Sanierungsmaßnahmen:
 
-        Einbau einer neuen Heizungsanlage einschließlich Erneuerung der Heizkörperanbindungen auf Putz (eine Erneuerung/Austausch der vorhandenen Leitungen in den Parkett-Fußböden wäre mit einer enormen Kostensteigerung verbunden)
-        Ertüchtigung der mittlerweile an vielen Stellen undichten Stahl-Glaskonstruktion (Treppenhaus)
-        teilweise Austausch der vorhandenen Abwasserrohre in der Tiefgarage
-        Ertüchtigung der vorhandenen Elektroverteiler gemäß den aktuellen VDE-Vorschriften
-        teilweise neue Beleuchtungskörper bzw. auch der gesamte Austausch der Leuchtmittel (LED)
-        Fassadenanstrich / Fensteranstrich
-        Flachdachabdichtungs- und Plattenarbeiten (Vorplatz)
-        Bodenbelagsarbeiten (neue Teppichböden in sämtlichen Büroräumen)
-        Aufarbeitung des vorhandenen Parkettbodens
-        Malerarbeiten innen
-        Instandsetzung Dachdeckung und –entwässerung
-        Instandsetzungen an Glasfassaden und Glasdachflächen mit Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes sowie deren Einbindungen in Dachflächen
-        Außenanlage (Stellplatzneuordnung vor dem Gebäude) 
 
Mit den Architekten Norman Schmitt von Link/Schmitt Architekten, Eberbach und Leonhard Schmitt von PSP Schmitt, Mauer wurde intensiv der Arbeitsablauf besprochen und ob die Ausführung der Arbeiten nicht auch stockwerksweise erfolgen könnte, so dass die Verwaltung das Rathausgebäude zumindest teilweise weiternutzen kann. Für einen geordneten Arbeitsablauf bei vielen Gewerken und auch aus Kostengründen wurde ausdrücklich angeraten das Rathaus komplett zu räumen. Damit wurde für die Dauer der Sanierung des Rathauses, die auf 14-15 Monate geschätzt wird,  ein Ausweichquartier für die Verwaltung nötig.
Von der Verwaltung wurden daraufhin verschiedene Möglichkeiten geprüft.
So zum einen die übergangsweise Unterbringung in Containern. Aufgrund der Mitarbeiterzahl, notwendiger Besprechungsräume usw. wäre man allein für die reinen Container bei monatlichen Kosten von ca. 8.000 Euro. (Zum Vergleich: für die vier Container für die Kleinkindgruppe in Oberdielbach wendet die Gemeinde monatlich rd. 1.600 Euro Containermiete auf). Darüber hinaus wären bei einer Containerlösung weitere Kosten für die Erschließung, Fundamente, Anlage Parkflächen für Mitarbeiter/Besucher nötig geworden usw., was zu weiteren Kosten von ca. 20.000 Euro geführt hätte.
Als Alternative kamen größere leerstehende Bestandsgebäude in Betracht, wie z.B. das evangelische Pfarrhaus in Schollbrunn. Es stellte sich aber bei der Begehung heraus, dass die Fläche und der Zuschnitt nicht passen. Schließlich wurde das ehemalige Gasthaus „Linde“ besichtigt.
Die „Linde“ wurde 2016 vom Neckar-Odenwald-Kreis erworben und war für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt worden. Zu diesem Zweck wurden durch den Landkreis verschiedene Umbaumaßnahmen im Gebäude vorgenommen, grundsätzlich ist aber die ursprünglich Gasthausstruktur mit zahlreichen Fremdenzimmern erhalten geblieben. Der Landkreis war bereit, der Gemeinde die „Linde“ für einen Mietpreis von 2.000 Euro im Monat zu überlassen
Der Gemeinderat stimmte in seiner Sitzung im September 2018 der Nutzung der „Linde“ und dem vorrübergehenden Umzug nach Schollbrunn zu, da es die wirtschaftlichste Variante ist.
Da nach der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft manche Bereiche verwohnt waren, wurden für 4.000 Euro Malerarbeiten ausgeführt und für 2.000 Euro ein neuer Bodenbelag (billigster Laminat in Holzoptik) verlegt. Die noch durchzuführenden Elektro-/EDV Verkabelungsarbeiten werden sich auf ca. 6.000 Euro belaufen.
Bei einer 15-monatigen übergangsweisen Nutzung von Containern als Rathaus wären somit mindestens 140.000 Euro für diese Variante aufzuwenden gewesen.
Bei der von der Verwaltung favorisierten Variante welche auch die Zustimmung des Gemeinderats fand, also der 15-monatigen Nutzung der ehemaligen „Linde“ in Schollbrunn als Rathaus, belaufen sich die Kosten insgesamt auf ca. 42.000 Euro. Die Entscheidung des Gemeinderats ist somit trotz der Aufwendungen für Instandsetzungsmaßnahmen in der ehemaligen Gaststätte die wirtschaftlichste Lösung gewesen. 

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die Verwaltung für die Sanierung des Rathauses bei veranschlagten Kosten von 1,8 Mio. Euro auch verschiedene Förderanträge für diese Maßnahme gestellt hat, welche auch bewilligt wurden. So erhält die Gemeinde aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) 453.760 Euro und aus dem Gemeindeausgleichstock weitere 162.000 Euro.

Die Gemeinde informiert

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